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Ökonomisches

Ökonomisches

1. Begriffliches
1.1 Zum Begriff der Ökonomie
1.2 Zum Begriff der Arbeit
1.3 Zum Begriff des Kapitals
2. Formen der Arbeit
2.1 "Arbeit" in archaischen Wildbeutergesellschaften
2.2 Arbeit in den politischen Sklavenhalter-Gesellschaften der Antike
2.2.1 Landwirtschaftliche Arbeit als kultische Handlung
2.2.2 Die mehr oder weniger natürliche Arbeitsteilung: Handwerk und Frauenarbeit
2.2.3 Sklavenarbeit
2.2.4 Die Geringschätzung der manuellen Arbeit
2.3 Arbeit in den politischen Feudalgesellschaften des Mittelalters
2.3.1 Die Leibeigenschaft
2.3.2 Die bäuerliche Arbeit
2.3.3 Handwerkliche Arbeit und Zunftwesen
2.3.4 Die Rehabilitierung der Handarbeit
2.4 Arbeit im Industriekapitalismus der neuzeitlichen ökonomischen Gesellschaft
2.4.1 Transformation der Landwirtschaft und Heimindustrie
2.4.2 Fabrikarbeit
2.4.3 Arbeit als Ware
2.4.4 Arbeit als Quelle menschlicher Entfremdung
2.4.5 Taylorismus und Fordismus
“Der höchste Grad der Entfremdung vom eigenen Produkt ist wohl dann erreicht, wenn ein Arbeiter an einem Fliessband lediglich einen Handgriff an einem Werkstück auszuführen hat, dessen Zweck er nicht einmal kennt,” sagt Schmitz in seinem Kommentar zur Marxschen Entfremdungsthese.110
Schmitz 1984, 84.
Und tatsächlich haben sich ja die Produktionsverfahren im 20. Jh. in diese Richtung entwickelt - denken wir nur an die Stichworte Taylorismus und Fordismus. Frederick W. Taylor (1856-1915) war ein amerikanischer Ingenieur, der ein System der wissenschaftlichen Betriebsführung entwarf, das mittels einer Arbeitsrationalisierung ein Höchstmass an Leistung zur Folge haben sollte. Es gründete auf empirischen Daten, die Taylor im Laufe von Zeit- und Bewegungsstudien an Arbeitern gewann, die nach seiner Einschätzung bereits einigermassen effizient arbeiteten. Jede Tätigkeit wurde dabei in ihre kleinsten Bestandteile zerlegt und jede dieser Komponenten daraufhin untersucht, wie sie am besten, d.h. mit dem geringsten Zeitaufwand, ausgeführt werden konnte. Glaubte Taylor schliesslich, auf diese Weise die insgesamt effizienteste Arbeitsmethode gefunden zu haben, suchte er sich passende Leute aus und brachte ihnen bei, genau nach seinen Befunden zu arbeiten.111
Siehe George Ritzer 1995, 50-51.
Ergänzend fand dazu auch die Idee des Stücklohns Anwendung, der die Arbeitenden, evtl. noch verstärkt durch Prämien, zu einer intensivierten Leistung anstacheln sollte.112
Nach Friedrich Bülow und Heinz Langen 1970, 532.
Der St. Galler Wirtschaftsethiker Peter Ulrich nennt drei grundlegende Prinzipien, auf denen das Taylorsche System der totalen Arbeitszerlegung und -strukturierung beruht:
1
Loslösung des Arbeitsprozesses von den Fertigkeiten des Arbeiters: Die vollständige Kontrolle des Arbeitsprozesses sei, so Taylor, nicht möglich, solange die Arbeiter über handwerkliche Fähigkeiten verfügen, die dem Management fehlen. Deshalb müsse der Arbeitsablauf von jeglichen Traditionen und Berufskenntnissen des Arbeiters unabhängig gemacht werden. ...
2
Trennung von Planung und Ausführung: Damit dem Arbeiter der methodische Arbeitsrhythmus und die Effizienz des Betriebssystems aufgezwungen werden könne, darf dieser nach Taylor nicht von seinen eigenen Vorstellung des richtigen Arbeitsgangs (ab-)gelenkt werden. Das Arbeitssystem dürfe deshalb nie vom Ausführenden selbst, sondern nur vom Management bestimmt werden. ...
3
Verwendung des Wissensmonopols der Leitung, um jeden Arbeitsschritt und seine Ausführungsweise zu kontrollieren: Die betriebliche Planungselite übt lückenlose sozialtechnologische Kontrolle über die ausführende Basis aus, indem sie die zu leistende Arbeit jedes Arbeiters bis ins kleinste Detail plant, vorbereitet und in schriftlichen Arbeitsanleitungen festlegt.113
Peter Ulrich 1987, 105.
Die Taylorschen Prinzipien kulminieren in der technischen Implementierung der Fliessband-Produktion. Die Arbeit ist in einzelne, immer zu wiederholende Handgriffe aufgeteilt und die Arbeitenden sind gezwungen, diese zu einer bestimmten Zeit und auch in einer bestimmten Art auszuführen, das letztere, weil das fragliche Fragment von Arbeit sonst innerhalb der geforderten Zeitspanne nicht realisierbar wäre. Charlie Chaplin hat in seinem Film “Modern Times” die Situation, in der der arbeitende Mensch dem Regime von Maschinen unterworfen wird, auf dramatische Weise glossiert (siehe Abb.9). Diese Produktionsweise hat die Bezeichnung “Fordismus” erhalten, weil sie mit der Automobilproduktion von Henry Ford (1863-1947) in Zusammenhang gebracht wird. Allerdings war Ford nicht der erste, der bald nach der Jahrhundertwende dieses Prinzip verwendete - es war schon vorher in der Fleischindustrie von Chicago im Gebrauch gewesen -, aber er brachte es gewissermassen zur Vollendung.114
Vgl. Ritzer 1995, 52-53.
Sein Ziel war, Autos so billig herstellen zu können, dass auch seine Arbeiter sie kaufen konnten. Tatsächlich ist der Fordismus nicht nur eine technische und organisatorische Angelegenheit, sondern eine Sache auch sozialer und politischer Aspekte, die auf Massenkonsum und Wohlfahrtsstaat zielen.115
Siehe Gregor Dürrenberger 1989a, 62.
Im übrigen kann der tayloristisch-fordistische Wirtschaftstil auch als Wegbereiter der Automation und damit der Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen gesehen werden, denn ein Arbeitsvorgang, der sich in eindeutig festgelegte, wiederholbare Teile zerlegen lässt, wird früher oder später auch von einem Roboter ausgeführt werden können.116
Vgl. Ritzer 1995, 53.
Abbildung 9: Komplexe Maschinen und Arbeitsmonotonie setzen den arbeitenden Menschen in der modernen Industriegesellschaft unter grossen Stress: Charlie Chaplin in “Modern Times” (aus Daltrop 1974, 86)
Abbildung 9: Komplexe Maschinen und Arbeitsmonotonie setzen den arbeitenden Menschen in der modernen Industriegesellschaft unter grossen Stress: Charlie Chaplin in “Modern Times” (aus Daltrop 1974, 86)
2.4.6 Arbeitsmoral versus Berufsethik
3. Arten der Beziehung zum Boden
3.1 Archaische Gruppen als Teil des Landes, auf dem sie leben
3.2 Boden als Eigentum und als Ware: Politische und ökonomische Gesellschaften
4 Kaurischnecken, Geld und Kapital
4.1 Primitive Währung archaischer Art
4.2 Münzen und ihre politische Bedeutung in der Antike
4.3 Fegefeuer, Zins und Kredit im politischen Kontext des Mittelalters
4.4 Koloniale Ausbeutung, Kapitalakkumulation und Kommerzialisierung in der Neuzeit
5 Formen des Tausches: Von der Reziprozität zum Markt
5.1 Reziprozität bei vorpolitischen Gesellschaften
5.2 Redistribution in politischen Gesellschaften
5.3 Handel in den politischen Gesellschaften der Antike und des Mittelalters
5.3.1 Ökonomik versus Chrematistik
5.3.2 Märkte und Messen
5.3.3 Die Kaufleute
5.3.4 Gerechte Preise
5.4 Vom Merkantilismus zum Industriekapitalismus: Der Weg zur neuzeitlichen Marktwirtschaft
5.4.1 Der Merkantilismus und der Binnenmarkt
5.4.2 Vom Kolonialismus zum Industriekapitalismus
6 Zur ökonomischen Standardtheorie
6.1 Einige dogmengeschichtliche Hintergründe
6.2 Einige grundlegende Elemente der Theorie
7 Die Berücksichtigung der natürlichen Umwelt
7.1 Umweltökonomie
7.1.1 Der wohlfahrtsökonomische Ansatz
7.1.2 Der eigentumsrechtliche Ansatz
7.2 Ökologische Ökonomie
7.2.1 Das Konzept der Energie-Verkörperung von Gonzague Pillet
7.2.2 Das Konzept des Naturkapitals von Herman E. Daly
8 Die kulturelle Einbettung der Ökonomie
8.1 Eine Typologie wirtschaftsethischer Denkmuster (Ulrich Thielemann)
8.2 Das Konzept einer kulturellen Ökonomie (Joachim Schütz)
9 Die Globalisierung: Chance oder Risiko? Ein fiktives Gespräch
Zitierte Literatur